Weingut Bodegas D. Mateos. Eine Region und ihre Winzer auf dem Vormarsch

Es ist eine biblische Weisheit, dass die Letzten irgendwann die Ersten sein werden. Vielleicht erscheint es etwas weit hergeholt, das auf Weine und eine Weinregion zu übertragen. Tatsache aber ist, dass sich in den drei Untergebieten der spanischen Rioja derzeit die Gewichte verschieben. Lange galten etwa die Winzer aus der Rioja Baja, also der „Unteren Rioja“, als bloße Zulieferer für die erfolgreichen großen Güter in der Rioja Alta, der „Oberen Rioja“. Oben und unten, dass schien nicht nur eine geografische Bezeichnung zu sein, sondern auch eine hierarchische. Doch, siehe oben, solche Kategorien sind nicht unumstößlich. Inzwischen haben die Winzer und Weingüter der Rioja Baja mit einem eigenen Weinstil mächtig aufgeholt. Eines der Weingüter, die ganz vorne mit dabei sind, sind die „Bodegas D. Mateos“. Das Gut überzeugt mit einem kleinen, aber sehr feinen Sortiment an roten und weißen Tropfen aus autochthonen Rebsorten. Auf rund hundert Hektar Rebland gedeihen heute überwiegend alte, sehr traditionsreiche Sorten der Garnacha sowie weißer (nein, das ist kein Schreibfehler) Tempranillo. Für diese Rebsorte hat Winzer Ruiz Mateos, der das Weingut seit 2000 leitet, eine enorme Vorreiterrolle eingenommen.
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Weingut Bodegas D. Mateos. Eine Region und ihre Winzer auf dem Vormarsch
Es ist eine biblische Weisheit, dass die Letzten irgendwann die Ersten sein werden. Vielleicht erscheint es etwas weit hergeholt, das auf Weine und eine Weinregion zu übertragen. Tatsache aber ist, dass sich in den drei Untergebieten der spanischen Rioja derzeit die Gewichte verschieben. Lange galten etwa die Winzer aus der Rioja Baja, also der „Unteren Rioja“, als bloße Zulieferer für die erfolgreichen großen Güter in der Rioja Alta, der „Oberen Rioja“. Oben und unten, dass schien nicht nur eine geografische Bezeichnung zu sein, sondern auch eine hierarchische. Doch, siehe oben, solche Kategorien sind nicht unumstößlich. Inzwischen haben die Winzer und Weingüter der Rioja Baja mit einem eigenen Weinstil mächtig aufgeholt. Eines der Weingüter, die ganz vorne mit dabei sind, sind die „Bodegas D. Mateos“. Das Gut überzeugt mit einem kleinen, aber sehr feinen Sortiment an roten und weißen Tropfen aus autochthonen Rebsorten. Auf rund hundert Hektar Rebland gedeihen heute überwiegend alte, sehr traditionsreiche Sorten der Garnacha sowie weißer (nein, das ist kein Schreibfehler) Tempranillo. Für diese Rebsorte hat Winzer Ruiz Mateos, der das Weingut seit 2000 leitet, eine enorme Vorreiterrolle eingenommen.

Garnacha vom Allerfeinsten

Tradition und Heimatverbundenheit zeichnen die Bodegas D. Mateos ebenso aus wie Mut zur Veränderung und technische Innovation. Das Gut wurde 1886 gegründet, damals als ein kleines Familienweingut. Schon kurz danach gab es einen ersten Boom. In Frankreich hatte die Reblaus zugeschlagen und nicht wenige Weinhändler aus dem Bordelais kamen in der Folge nach Spanien, um auf der anderen Seite der Pyrenäen ihre Zelte aufzuschlagen. Sie brachten ihre Traditionen und Vinifizierungsmethoden mit, die lange Zeit den Stil der Rioja-Weine prägten. Doch Mitte der Siebziger Jahre änderte sich einiges. Statt den Wein ewig lange in alten Fässern reifen zu lassen, kam er nun in neue Barriques, wurde zuvor auch mal kalt mazeriert und insgesamt deutlich kürzer ausgebaut.

Um die Jahrtausendwende herum hatte sich dieser neue Stil so gut wie durchgesetzt. Genau zu der Zeit also, als Ruiz Mateos das Weingut nach dem Studium der Agrarwissenschaften und der Önologie von seinen Eltern übernahm. Von Anfang war er offen für Innovation, ohne dabei freilich das traditionelle Erbe der Region aus den Augen zu verlieren.

Die Rioja Baja ist die heißeste und trockenste Zone der drei Rioja-Gebiete. Das Klima hier ist mediterran geprägt, Höhenlagen sind selten. Doch genau diese klimatischen und geografischen Gegebenheiten bekommen etwa Rotweinen aus der Rebsorte Garnacha besonders gut. Heute kommen einige der besten Rotweine Spaniens überhaupt aus der Rioja Baja und sind aus der Garnacha gekeltert. Mit etwas weniger Säure und Tanninen als die Roten aus der „oberen“ Nachbarschaft, überzeugen die Tropfen mit ihrer wunderbaren Balance und Fruchtigkeit. Der Star unter den Garnachas von den Bodegas D. Mateos ist dabei der „La Mateo Garnacha Cepas Viejas“, der sortenrein aus Trauben von über 75 Jahre alten Rebstöcken produziert wird. Mit 15 Prozent Alkohol, weichen Tanninen und viel Ausdruckskraft ist dieser Tropfen in jeder Beziehung ein positives „starkes Stück“. Es versteht sich von selbst, dass ein solcher Wein, der natürlich auch mengenmäßig limitiert ist, nicht ganz billig ist. Mit 40 Euro pro Flasche muss der Weinfreund bei einem jungen Jahrgang rechen (Stand November 2020). Die Bodegas D. Mateos haben natürlich auch preiswertere Rotweine im Sortiment, darunter auch Cuvées aus Garnacha, X und XX. Doch kein Wein kann als „Schnäppchen“ bezeichnet werden. Hohe Qualität hat hier ganz einfach ihren Preis.

Kleine Entdeckung mit großer Wirkung

Das gilt auch für den weißen Tempranillo des Weinguts. Er ist wirklich eine kleine Sensation, denn Ruiz Mateo hat maßgeblich an der Entwicklung dieser Rebsorte mitgewirkt. Kleiner Rückblick: Im Jahr 1988 findet ein Winzer in seinem Weinberg einen Rebstock mit weißen Trauben, den er nicht kennt. Er lässt die Sorte von einer Universität analysieren und stellt fest, dass er eine natürliche Mutation der roten Tempranillo auf seinem Weinberg gefunden hat. Die Wellen schlugen nach dieser Entdeckung natürlich hoch, doch Geduld war vonnöten. Denn ob die Sorte gesetzlich in der Rioja zugelassen werden konnte, das mussten erst Testpflanzungen ergeben. An diesen Pflanzungen waren die Bodegas D. Mateo maßgeblich beteiligt. Heute haben sie einen vielfach preisgekrönten weißen Tempranillo im Sortiment, der die Rioja Baja in ganz neue Höhen katapultiert.

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Garnacha vom Allerfeinsten

Tradition und Heimatverbundenheit zeichnen die Bodegas D. Mateos ebenso aus wie Mut zur Veränderung und technische Innovation. Das Gut wurde 1886 gegründet, damals als ein kleines Familienweingut. Schon kurz danach gab es einen ersten Boom. In Frankreich hatte die Reblaus zugeschlagen und nicht wenige Weinhändler aus dem Bordelais kamen in der Folge nach Spanien, um auf der anderen Seite der Pyrenäen ihre Zelte aufzuschlagen. Sie brachten ihre Traditionen und Vinifizierungsmethoden mit, die lange Zeit den Stil der Rioja-Weine prägten. Doch Mitte der Siebziger Jahre änderte sich einiges. Statt den Wein ewig lange in alten Fässern reifen zu lassen, kam er nun in neue Barriques, wurde zuvor auch mal kalt mazeriert und insgesamt deutlich kürzer ausgebaut.

Um die Jahrtausendwende herum hatte sich dieser neue Stil so gut wie durchgesetzt. Genau zu der Zeit also, als Ruiz Mateos das Weingut nach dem Studium der Agrarwissenschaften und der Önologie von seinen Eltern übernahm. Von Anfang war er offen für Innovation, ohne dabei freilich das traditionelle Erbe der Region aus den Augen zu verlieren.

Die Rioja Baja ist die heißeste und trockenste Zone der drei Rioja-Gebiete. Das Klima hier ist mediterran geprägt, Höhenlagen sind selten. Doch genau diese klimatischen und geografischen Gegebenheiten bekommen etwa Rotweinen aus der Rebsorte Garnacha besonders gut. Heute kommen einige der besten Rotweine Spaniens überhaupt aus der Rioja Baja und sind aus der Garnacha gekeltert. Mit etwas weniger Säure und Tanninen als die Roten aus der „oberen“ Nachbarschaft, überzeugen die Tropfen mit ihrer wunderbaren Balance und Fruchtigkeit. Der Star unter den Garnachas von den Bodegas D. Mateos ist dabei der „La Mateo Garnacha Cepas Viejas“, der sortenrein aus Trauben von über 75 Jahre alten Rebstöcken produziert wird. Mit 15 Prozent Alkohol, weichen Tanninen und viel Ausdruckskraft ist dieser Tropfen in jeder Beziehung ein positives „starkes Stück“. Es versteht sich von selbst, dass ein solcher Wein, der natürlich auch mengenmäßig limitiert ist, nicht ganz billig ist. Mit 40 Euro pro Flasche muss der Weinfreund bei einem jungen Jahrgang rechen (Stand November 2020). Die Bodegas D. Mateos haben natürlich auch preiswertere Rotweine im Sortiment, darunter auch Cuvées aus Garnacha, X und XX. Doch kein Wein kann als „Schnäppchen“ bezeichnet werden. Hohe Qualität hat hier ganz einfach ihren Preis.

Kleine Entdeckung mit großer Wirkung

Das gilt auch für den weißen Tempranillo des Weinguts. Er ist wirklich eine kleine Sensation, denn Ruiz Mateo hat maßgeblich an der Entwicklung dieser Rebsorte mitgewirkt. Kleiner Rückblick: Im Jahr 1988 findet ein Winzer in seinem Weinberg einen Rebstock mit weißen Trauben, den er nicht kennt. Er lässt die Sorte von einer Universität analysieren und stellt fest, dass er eine natürliche Mutation der roten Tempranillo auf seinem Weinberg gefunden hat. Die Wellen schlugen nach dieser Entdeckung natürlich hoch, doch Geduld war vonnöten. Denn ob die Sorte gesetzlich in der Rioja zugelassen werden konnte, das mussten erst Testpflanzungen ergeben. An diesen Pflanzungen waren die Bodegas D. Mateo maßgeblich beteiligt. Heute haben sie einen vielfach preisgekrönten weißen Tempranillo im Sortiment, der die Rioja Baja in ganz neue Höhen katapultiert.